Zu Gast auf „Dem roten Sofa“

Der Internist und Kardiologe PD Dr. med. Friedhelm Späh, Herz-Kreislauf-Forschung Krefeld.

Herzlich willkommen auf „Dem roten Sofa“, lieber Herr Dr. Späh! Worauf sollten Menschen mit Vorhofflimmern in ihrem Alltag achten?

Dr. med. Friedhelm Späh

Menschen, die von Vorhofflimmern betroffen sind, sollten sich gesund und ausgewogen ernähren. Das bedeutet vitaminreich, fettreduziert und zuckerarm. So fällt es auch leichter, bei Übergewicht abzunehmen bzw. das Gewicht zu halten. Weiterhin ist ausreichender und erholsamer Schlaf wichtig. Denn Schlafstörungen können zu Bluthochdruck führen und damit wiederum das Vorhofflimmern begünstigen. Daneben ist auch tägliche Bewegung für etwa eine halbe Stunde günstig für das Herz-Kreislauf-System.

Bleiben wir einmal beim Thema Gewicht. Warum ist dieser Punkt für Vorhofflimmer-Patienten so wichtig?

Unser Körper speichert überflüssige Kalorien. Daher muss man – je nachdem, wie aktiv man körperlich ist – sehr streng auf Kalorien achten. Denn Übergewicht fördert hohen Blutdruck und begünstigt Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit, den Diabetes. Ein hoher Körperfettgehalt verursacht leider auch Umbauprozesse am Herzen, sodass es parallel zum Gewichtsanstieg vermehrt zu Vorhofflimmern kommen kann. Aktuell gibt es weltweit, vor allem in Amerika, immer mehr übergewichtige Menschen und gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Das sind vermutlich die beiden Hauptgründe für die beobachtete Zunahme von Vorhofflimmern in der Gesellschaft.

Könnten Betroffene mit mehr Bewegung gegensteuern? Wie viel Anstrengung verkraftet das Herz eines Vorhofflimmer-Patienten?

Patienten mit Vorhofflimmern sollten auf moderate Bewegungen setzen. Sportarten wie Schwimmen, Fahrradfahren und Walken sind ideal – selbst bei starkem Übergewicht. Dagegen ist Joggen bei hoher Körpermasse nicht empfehlenswert, da die Kniegelenke überlastet werden. Sportarten, bei denen die Muskeln stark angespannt werden, führen eher zu Belastungen für das Herz. Man weiß von Leistungssportlern, die Sportarten wie zum Beispiel das Surfen oder das Gewichtheben betreiben, dass sie in der Folge häufiger Vorhofflimmern entwickeln können. Körperliche Aktivität in Maßen und Gewichtsabnahme können das Krankheitsbild Vorhofflimmern sogar verbessern.

Apropos in Maßen: Was ist mit Genussmitteln wie Kaffee oder Alkohol?

Man muss sich klarmachen, dass Koffein die Herzfrequenz und den Blutdruck steigen lässt. Das kann in Einzelfällen Vorhofflimmern begünstigen. Allerdings kann man seinen Morgenkaffee ruhig genießen. Bis zu drei Tassen am Tag sind erlaubt. Alkohol sollte ebenfalls nur in Maßen getrunken werden. Der Satz ‚Ein Glas Rotwein am Tag schütze das Herz’, stimmt nur bedingt. Aktuelle Studien zeigen, dass Alkoholkonsum (20-30 g/Tag) zwar die Gesamtsterblichkeit nicht erhöht und Herzkreislaufereignisse reduziert, aber Vorhofflimmern begünstigt. Männer sollten sich bei Wein auf einen Viertel Liter pro Tag beschränken, Frauen auf 150 Milliliter. Bei Bier können Männer einen halben Liter am Tag trinken, Frauen besser nur ein kleines Glas mit 0,3 l. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, so wenig wie möglich Alkohol zu trinken bzw. sogar gänzlich darauf zu verzichten. Und Vorhofflimmer-Patienten sollten – wenn sie Raucher sind – das Rauchen möglichst sofort einstellen.

Dürfen sich Menschen mit Vorhofflimmern auf das Verreisen freuen oder sollten sie sich das lieber nicht zumuten?

Auf jeden Fall können sie verreisen! Nur bitte auch im Urlaub an die Medikamente denken. Am besten den Tagesrhythmus ähnlich wie zu Hause beibehalten und die verordneten Medikamente regelmäßig nehmen. Das ist enorm wichtig, denn nur so können sich Patienten mit Vorhofflimmern zuverlässig vor dem Risiko eines Schlaganfalls schützen. Am besten besprechen sie sich gerade vor einer längeren Reise noch einmal mit ihrem Arzt.

Vielen Dank, lieber Herr Dr. Späh, dass Sie auf „Dem roten Sofa“ Platz genommen haben!

Quellen:

1 www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

2 January CT et al. Circulation 2014; 130: e199-e267