Zu Gast auf „Dem roten Sofa“

Die Ernährungsberaterin Esther Natschack

Die einfachste Ernährungsempfehlung, die ich geben kann, lautet: „Iss bunt!“

Ernährungsberaterin Esther Natschack (c) Esther Natschack

Herzlich willkommen auf „Dem roten Sofa“! Als Ernährungsberaterin stehen Sie Patienten in verschiedenen Lebenssituationen beratend zur Seite. Welche Patienten kommen zu Ihnen und warum?

Seit 13 Jahren betreue ich Menschen in und um Neuss und seit zwei Jahren auch digital per Videokonferenz deutschlandweit. Meine drei Themenschwerpunkte sind:

  • Gewichtsveränderungen: Zunehmen oder Abnehmen
  • Familie: von der Schwangerschaft bis zum Teeny-Alter
  • Allergien- und Unverträglichkeiten: Klassische Lebensmittelallergien, Laktose-Intoleranz, Fruktose-Intoleranz und Histamin-Intoleranz

Gut 70% meiner Kunden möchten abnehmen, oftmals weil sie bereits Veränderungen der Blutwerte, einen Bluthochdruck und/oder einen Diabetes mellitus Typ 2 haben.

Was sind die wichtigsten Bausteine einer gesunden Ernährung und was sind die klassischen „Ernährungsfallen“?

Die einfachste Ernährungsempfehlung, die ich geben kann, lautet: „Iss bunt!“

Gemeint ist eine vielseitige Kost, die auf reichlich Gemüse- und Obst aufbaut.

Eine vielseitige und vor allem „bunte“ Ernährung ist für einen gesunden Lebensstil wichtig.

Meiner Meinung nach ist die größte „Ernährungsfalle“ dementsprechend eine einseitige („einfarbige“) Ernährung. Daher lautet mein erster Tipp: Zu jeder Mahlzeit sollten 3-4 Farben auf dem Teller zu finden sein. Und damit meine ich nicht verschiedene Braun-Schattierungen. Die Aussage hört sich so einfach und banal an, aber sie hat es in sich!

Der Mensch ist ein ausgeklügeltes System an biochemischen Vorgängen. Wie viele Zahnrädchen eines Uhrwerkes greifen die einzelnen Stoffwechselvorgänge ineinander. Wenn irgendwo eine lebensnotwendige Substanz fehlt, also beispielsweise ein Vitamin, ein Mineral, eine lebenswichtige Fettsäure oder Aminosäure (Bestandteil von Eiweiß), dann funktioniert das Uhrwerk nicht mehr oder nur noch verlangsamt.

Mit welchen Methoden und Tricks arbeiten Sie, damit eine ausgewogene und gesunde Ernährung für Ihre Patienten selbstverständlich wird?

Methodisch arbeite ich sehr gerne mit der Flexi-Carb-Pyramide von Prof. Dr. Worm. Basis sind hier alle Gemüsesorten und zuckerarmes Obst. Dazu kommen dann hochwertige Eiweiße, Öle und wertvolle Kohlenhydrate in Kombination mit Bewegung, Schlaf und natürlich ausreichend Flüssigkeit.1 Die Darstellung ist einfach und ich kann meinen Kunden Tages- oder Wochenpläne und viele leckere Rezepte mitgeben. So gelingt dann auch der Übergang hin zur ausgewogenen Ernährung leichter.

Eine solche Pyramide und auch die Pläne sind jedoch nur der Einstieg. Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten ist immer ein Prozess und mein Ziel ist es, meinen Kunden dabei zu begleiten, seinen eigenen Plan passend zu seinen Vorlieben, seinen Tagesstrukturen und auch seinem Budget zu finden. Dafür nutzen wir gerne Ernährungstagebücher, um das bisherige Verhalten sichtbar zu machen und gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.

Inwiefern spielt eine gesunde Ernährung eine Rolle bei der Schlaganfallprävention?

Durch einen gesunden Lebensstil können wir das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden minimieren. Neben ausreichender Bewegung und dem Verzicht auf das Rauchen spielt auch eine ausgewogene Ernährung eine entscheidende Rolle. Denn Schlaganfallrisiken wie Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker- und Cholesterinwerte sowie Übergewicht, können durch eine gesunde Ernährung vermieden werden.

Insofern ist die gesunde Ernährung in jedem Falle ein zentrales Element bei der Schlaganfallprävention!

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich in Ihrer alltäglichen Praxis konfrontiert?

Viele Menschen sind verunsichert, was denn jetzt eigentlich „gesund“ ist. Der Hype um verschiedene Diäten und Diätprodukte, Superfood, sonstige Ernährungsformen und die Berichterstattung der Medien ist widersprüchlich und verwirrend.

Daher biete ich zunehmend (kostenlose) Informationen auf meinem Blog an.

Welche Nahrungsmittel werden als besonders gesund angesehen und warum? Auf was sollte man dagegen eher verzichten?

Hochwertige Öle können eine gesunde Ernährung ergänzen.

Wenn wir an unser Uhrwerk-System denken und wissen, dass hier Vitamine, Mineralstoffe, essentielle Fett- und Eiweißbestandteile zwingend gebraucht werden, dann ergeben sich daraus auch die Empfehlungen:

Als herzgesund gilt vor allem die Vielfalt von Gemüse und Obst. Dazu sollten hochwertige Öle, wie Raps-, Oliven-, Lein- und Nussöle sowie pflanzliches Eiweiß (z.B. aus Hülsenfrüchten) und tierisches Eiweiß (z.B. aus Fisch) kombiniert werden. All das ist vor allem Bestandteil der mediterranen Küche.2

Weniger wertvoll sind hingegen Back- und Süßwaren sowie frittierte Kartoffelprodukte und Fertiggerichte.

Vielen Dank, liebe Frau Natschack, dass Sie auf „Dem roten Sofa“ Platz genommen und uns einen Einblick in Ihren Beruf als Ernährungsberaterin gewährt haben.


1 Flexi-Carb-Pyramide: http://www.nicolai-worm.de/#flexi-carb-pyramide (Letzer Zugriff: 05.03.2018)

2 „Mediterrane Küche … eine Chance für die Zukunft“, Gerald Wüchner, 2016