Zu Gast auf „Dem roten Sofa“

Die Medizinische Fachangestellte und Schlaganfall-Lotsin Meike Finkler

Die Medizinische Fachangestellte und Schlaganfall-Lotsin Meike Finkler

Ein Schlaganfall verändert von einer zur anderen Sekunde das Leben eines Patienten und auch das seiner Angehörigen. Manche überfordern die Veränderungen, die diese schwierige Lebenssituation mit sich bringt. Dabei gibt es einige Möglichkeiten, um den Alltag zu erleichtern, aber die Wege dorthin sind für viele unüberschaubar. Hier setzt das Projekt der Schlaganfall-Lotsen an.

Herzlich willkommen auf „Dem roten Sofa“, liebe Frau Finkler! Sie sind Schlaganfall-Lotsin am Klinikum Lippe Lemgo. Könnten Sie kurz erklären, was ein Schlaganfall-Lotse/eine Schlaganfall-Lotsin ist? Bei welchen Angelegenheiten unterstützen Sie Patienten nach einem Schlaganfall?

Wir begleiten im Rahmen des Schlaganfall-Lotsen-Projektes STROKE OWL den Patienten und seine Angehörigen von der Akutklinik über die Rehabilitation bis ins häusliche Umfeld. Wir besuchen den Patienten in der Rehabilitation und zu Hause, nehmen in regelmäßigen Abständen telefonisch Kontakt mit ihm auf.

Wir informieren, beraten und unterstützen den Patienten und seine Angehörigen, um eine Verbesserung des Gesundheitszustandes bei gleichzeitiger Erhöhung der persönlichen Lebensqualität zu erreichen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die Bedürfnisse des Patienten und seiner Angehörigen.

Gemeinsam werden Ziele und Maßnahmen vereinbart. Häufige Themen sind Leistungsansprüche wie zum Beispiel der Pflegegrad, eine Schwerbehinderung, die berufliche Wiedereingliederung und Umbaumaßnahmen zu Hause. Des Weiteren beraten wir Schlaganfall-Lotsen zu Heil- und Hilfsmittelversorgung, stellen den Patienten Präventionsprogramme zum Abbau von Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Stress vor. Wir geben Informationen zu Selbsthilfegruppen. Wir achten bei unseren Besuchen und Telefonkontakten auch auf die Therapietreue. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir auf die regelmäßige Einnahme der Medikamente hinweisen. Wenn es dem Patienten besser geht, neigt der eine oder andere dazu, seine Medikamente abzusetzen.

Erfolgt die Kontaktaufnahme Ihrerseits bereits im Krankenhaus? Oder melden sich die Betroffenen bei Ihnen?

Die erste Kontaktaufnahme erfolgt bereits auf der Stroke Unit (Schlaganfall-Intensivstation). Mit dem behandelnden Oberarzt wird besprochen, welche Patienten die Einschlusskriterien für das Projekt STROKE OWL erfüllen. Dann wird den entsprechenden Patienten ausführlich das Projekt vorgestellt. Wir händigen ihm Informationsmaterial aus, das er sich gemeinsam mit seinen Angehörigen in Ruhe ansehen kann, um dann zu entscheiden, ob er am Projekt teilnehmen möchte.

Über welchen Zeitraum betreuen Sie die Patienten nach einem Schlaganfall?

Die Schlaganfall-Losten/Lotsinnen in unserem Projekt begleiten Patienten und ihre Angehörigen für 12 Monate nach dem Schlaganfall. Insgesamt werden bis zu 2000 Patienten in der Region Ostwestfalen-Lippe aufgenommen.

Was sagen Sie mit Ihrer Erfahrung zum Thema Vorbeugung? Vielen Schlaganfällen geht die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern voraus.

Tatsächlich erlebe ich in meiner Arbeit, dass bei den meisten Patienten schon Risiko-Faktoren vor dem Schlaganfall-Ereignis bestanden. Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes mellitus, Schlafapnoesyndrom und Rauchen können Vorhofflimmern begünstigen. Symptome wie Herzrasen, unregelmäßiger Pulsschlag, Schwächegefühl, Kurzatmigkeit können auf ein Vorhofflimmern hinweisen und sollten vom Hausarzt abgeklärt werden. Es gibt aber auch Betroffene, die keine spürbaren Symptome haben. Ist die Diagnose gestellt, bedeutet es für die Betroffenen lebenslange Einnahme gerinnungshemmender Medikamente. Hier ist die Therapietreue besonders wichtig, da diese Medikamente nur bei regelmäßiger Einnahme wirksam sind. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung kann sich günstig auswirken. Gesetzlich versicherte Patienten haben die Möglichkeit einen regelmäßigen Gesundheitscheck beim Hausarzt durchführen zu lassen – eine Möglichkeit um frühzeitig Risikofaktoren zu erkennen und zu behandeln.

Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen? Könnte das jeder machen oder braucht es eine bestimmte Vorbildung?

Ich bin gelernte Medizinische Fachangestellte, habe die Weiterbildung zur Case-Managerin absolviert und arbeite seit 2005 in der Neurologischen Abteilung des Klinikums Lippe. Mein Aufgabenbereich war die Organisation der Anschlussheilbehandlung. In den Sozialdienst wechselte ich 2016. 

2014 bekam ich eine Einladung zur ersten Lotsen-Tagung, die seitdem jedes Jahr stattfindet. Dort erfuhr ich einiges über die bestehenden und geplanten Projekte der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Bei unserer Tätigkeit ist es wichtig das Krankheitsbild, die Therapie und den Verlauf eines Schlaganfalls zu kennen. Wir müssen uns gut im Gesundheitswesen mit seinen vielen Angeboten und Akteuren auskennen, um so den Betroffenen und seine Angehörigen bei der Organisation einer angemessenen Versorgung zu unterstützen.

Wird Ihr Hilfsangebot von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt? (Stichwort: Eigenanteil?)

Für die Patienten entstehen durch die Teilnahme an dem Projekt STROKE OWL keine Kosten durch unsere Tätigkeit. Das Projekt wird mit 7,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundes gefördert. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist als Konsortialführer zusammen mit kooperierenden Partnern für die Umsetzung des Projektes verantwortlich. Ziel ist die zukünftige Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen Krankenkassen.