Das rote Sofa

In diesem Monat zu Gast auf „Dem roten Sofa“: Die Logopädin Laura Gold – „Die Therapie nach dem Schlaganfall ist wie das Fahrradfahren lernen – am Ende schafft man es ohne Stützräder“

Logopädin Laura Gold

Herzlich willkommen auf „Dem roten Sofa“! Seit einigen Jahren begleiten Sie nun als Logopädin Schlaganfall-Patienten auf der Stroke Unit im Krankenhaus St. Franziskus in Mönchengladbach. Sie setzen bei Ihrer Arbeit alles daran, die kommunikative Fähigkeit des Patienten zu verbessern und beziehen dabei auch ganz aktiv die Angehörigen mit ein – denn diese können häufig eine große Stütze bei der Rehabilitation der Betroffenen sein. Mit welchen Beschwerden sehen sich Schlaganfall-Patienten häufig konfrontiert, wenn sie bei Ihnen auf der Stroke Unit in Behandlung sind?

Die Beschwerden sind sehr vielseitig und davon abhängig welche Hirnhälfte vom Schlaganfall betroffen ist. Viele Patienten entwickeln beispielsweise eine Schluckstörung oder leiden an Sprach- beziehungsweise Sprechstörungen sowie Lähmungen der Arme und Beine oder auch des Gesichtes.

Die Beschwerden können dabei unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Neben all diesen Einschränkungen, die den betroffenen Menschen aus seinem Leben reißen, ist es aber auch die Wut und die Trauer über das Geschehene und die Machtlosigkeit, mit der sich die Patienten als erstes konfrontiert sehen. Das braucht viel Unterstützung durch Familie und Freunde und letztendlich auch durch die behandelnden Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte.

Welche Therapiemaßnahmen leiten Sie bei den Schlaganfall-Patienten ein und welche Erfolge können Sie beobachten?

Es ist wichtig, bestehende Funktionseinschränkungen durch die Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie zu behandeln. Hier ist interdisziplinäre Arbeit gefragt.

Therapie nach dem Schlaganfall ist wie das Fahrradfahren lernen – am Ende schafft man es ohne Stützräder

Man kann es mit dem Erlernen des Fahrradfahrens in der Kindheit vergleichen. Sowohl der Patient als auch die Therapeuten brauchen Geduld. Fällt man hin, steht man wieder auf und am Ende wird das Fahrrad zunächst mit Hilfe von Stützrädern und nach viel Training dann auch ganz ohne Hilfe gefahren.

Die Erfolge sind sehr unterschiedlich und hängen von der Therapiemotivation und der Akzeptanz des betroffenen Patienten ab.

Das Ziel ist am Ende immer dasselbe: Die Funktionen sollten soweit wiederhergestellt werden, dass der Patient am Leben teilhaben kann und im Alltag zurechtkommt – ob mit oder ohne Hilfe.

Haben Sie Empfehlungen, wie Patienten und ihre Angehörigen auch zu Hause ihre Sprachfähigkeiten verbessern können?

Bei Wortfindungsstörungen sind Bilder hilfreich

In unserer Akutklinik werden die Patienten täglich therapiert. Gerade die ersten Tage sind entscheidend. Wichtig ist, dass kein Druck von außen stattfindet. Man sollte versuchen dem Patienten Zeit zu lassen und unterstützend zur Seite stehen, wenn der Patient nach Hilfe fragt. In der Rehaklinik wird die Therapie dann fortgesetzt. Sollten im häuslichen Umfeld weiterhin Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen bestehen, ist es wichtig eine ambulante logopädische Therapie fortzuführen.

Gespräche mit Betroffenen – beispielsweise über Fotos, die erkannt und Menschen die benannt werden sollen – können sehr hilfreich sein. Neben der Sprache sollten auch Gestik und Mimik gefördert werden, denn diese sind wichtige Werkzeuge der Kommunikation. Bei Wortfindungsstörungen sind Bildkarten hilfreich. Anfänglich sollten ganz einfache Bilder gezeigt werden (z.B. Katze, Hund, Eier), später können dann auch schwierigere Bilder hinzugezogen werden.

Das Gute ist: Das können auch Angehörige mit den Betroffenen üben. Stellen Sie sich das Hirnareal, das für die Sprache zuständig ist, wie ein Bücherregal vor, das nach dem Schlaganfall umgeschmissen wurde und neu sortiert werden muss. Das braucht Zeit!

Geben Sie den Patienten auch Tipps für Präventionsmaßnahmen mit auf den Weg, um einen weiteren Schlaganfall bestmöglich zu vermeiden?

Schlaganfallvorbeugung: Regelmäßige Einnahme gerinnungshemmender Medikamente ist das A und O

Als erstes möchte ich auf ein altbekanntes Thema aufmerksam machen: Das Rauchen! Rauchen fördert die Verkalkung beziehungsweise den Verschluss von Arterien und ist somit neben einer ungesunden Lebensweise ein häufiger Grund für Schlaganfälle. Außerdem sind viel Bewegung sowie regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt wichtig. Wenn in der Familie Schlaganfälle beobachtet wurden, ist hier besondere Vorsicht geboten. Denn auch Schlaganfälle können familiär bedingt sein.

Patienten, die an der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern leiden, sind ebenfalls einem erhöhten Schlaganfallrisiko ausgesetzt. Häufig werden dann gerinnungshemmende Medikamente verschrieben – die regelmäßige Einnahme ist dabei das A und O. Viele Menschen neigen dazu, ihre Medikamente zu vergessen, sobald es ihnen bessergeht. Da wird der Arztbesuch bewusst umgangen und die Medikamenteneinnahme nicht ernst genommen. Das sollte nicht passieren, um einem weiteren Schlaganfall zu vermeiden!

Liebe Frau Gold, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen auf „Dem roten Sofa“ zu beantworten und uns einen Einblick in Ihren Beruf als Logopädin gewährt haben.