Zu Gast auf „Dem roten Sofa“

Interview mit dem Herzspezialist Dr. med. Jan Broja

Herzlich willkommen auf „Dem roten Sofa“! Als niedergelassener Kardiologe beschäftigen Sie sich unter anderem mit Rhythmusstörungen des Herzens und sehen dabei verschiedene Erkrankungsbilder. Gibt es einen typischen Vorhofflimmer-Patienten? Wie würden Sie ihn beschreiben?

Dr. Jan Broja

Den typischen Vorhofflimmer-Patienten gibt es nicht.

Das individuelle Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, hängt stark vom Lebensalter ab und verdoppelt sich ab dem 50. Lebensjahr etwa mit jeder Lebensdekade. Während von den unter 50-jährigen deutlich weniger als ein Prozent an Vorhofflimmern leiden, steigt die Häufigkeit bei über 60-jährigen auf vier bis sechs Prozent und bei über 80-jährigen auf neun bis 16 Prozent. Männer sind in den jüngeren Altersstufen häufiger betroffen als Frauen.

Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck (arterieller Hypertonus), Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), koronare Herzerkrankung, Diabetes mellitus, ein Schlafapnoesyndrom und eine Schilddrüsenüberfunktion die das Auftreten von Vorhofflimmern begünstigen. 

Ein arterieller Hypertonus steigert das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, etwa auf das Doppelte, eine Herzinsuffizienz auf das Vier- bis Sechsfache.

Übergewicht, auch ein regelmäßiger, erhöhter Alkoholkonsum aber auch exzessiver Ausdauersport wie Marathonläufer/-innen sind weitere, das Vorhofflimmern begünstigende, Risikofaktoren. 

Selten sind genetische Veränderungen die Ursache der Herzrhythmusstörung.

Was ist Ihrer Meinung nach also wichtig, um Vorhofflimmern vorzubeugen? Können Ess- und Lebensgewohnheiten hier einen Einfluss haben?

Die optimale medikamentöse Therapie der Grunderkrankung (-en) sollte an erster Stelle stehen.

Für alle Herzpatienten und insbesondere die mit Vorhofflimmern ist eine Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht  ein wichtiges Ziel.

Regelmäßiger Sport (Bewegung) und eine ausgewogene Ernährung sind hier die entscheidenden Faktoren.

Aber auch für Patienten ohne Übergewicht sollte auf eine regelmäßige Bewegung und eine ausgewogenen Ernährung geachtet werden.

Ich empfehle eine mediterrane Kost, also eine Ernährung mit reichlich Salat, Gemüse, Fisch und Olivenöl.

Wichtig sind auch ein Nikotinverzicht, Reduktion des Alkoholkonsums und eine ausgeglichene Lebensweise, die genügend Erholungs- und Regenerationsphasen bietet.

Stellen Sie sich vor, Sie diagnostizieren bei einem Patienten Vorhofflimmern. Gibt es Empfehlungen, zum Beispiel zum Lebensstil, die Sie ihm mit auf den Weg geben?

Wie oben bereits geschildert haben Vorerkrankungen und der persönliche Lebensstil maßgeblichen Einfluss auf das Risiko für Vorhofflimmern.

Es gilt immer die Therapie (medikamentöse Therapie des Vorhofflimmerns und der Grunderkrankung, Lebensstil mit Bewegung und Ernährung) individuell auf den Patienten anzupassen.

Vielen Dank, lieber Herr Dr. Broja, dass Sie auf „Dem roten Sofa“ Platz genommen und uns Ratschläge zum Thema Vorhofflimmern gegeben haben!

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