Zu Gast auf „Dem roten Sofa“

Interview mit Prof. Dr. Daniel Dürschmied, Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg-Bad Krozingen: „Vorhofflimmern – die unbemerkte Gefahr“

Prof. Dr. Daniel DürschmiedProf. Dr. Daniel Dürschmied

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Etwa 1,8 Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Wird die Erkrankung nicht behandelt, erhöht sie das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

Herzlich willkommen auf „Dem roten Sofa“! Merke ich als Patient selbst, dass ich Vorhofflimmern habe?

Nicht unbedingt. Die typischen Symptome des Vorhofflimmerns sind gerade bei jüngeren Patienten Herzrasen oder Herzstolpern. Es kann aber auch bis zu Atemnot und Einschränkung der Leistungsfähigkeit führen. Es kann Schwindel auftreten, der bis zur Ohnmacht gehen kann, daneben auch ein Druckgefühl im Brustkorb oder innere Unruhe und Angstgefühle. Dabei gibt es Patienten, die gar keine oder nur gelegentlich Symptome haben. Doch auch Patienten mit Vorhofflimmern ohne Beschwerden haben ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall.

Kann mein Hausarzt ein Vorhofflimmern einfach diagnostizieren?

Jeder Hausarzt sollte, wenn er seinen Patienten sieht, seinen Puls fühlen. Das ist eine sehr einfache Methode, um Unregelmäßigkeiten festzustellen. Dazu sind keine teuren Apparate nötig. Gibt es Auffälligkeiten, sollte er ein EKG machen. In der Aufzeichnung des EKGs ist der nicht-reguläre Herzrhythmus zu sehen.

Welche Möglichkeiten gibt es für mich zu Hause, den Puls zu messen?

Gerade ältere Menschen haben häufig schon ein Blutdruckmessgerät daheim. Diese messen automatisch auch den Puls. Bei Auffälligkeiten sollten sie sich an einen Arzt wenden.

Jüngere Patienten nutzen gerne ihr Smartphone. Apps, die den Puls messen, sind durchaus zuverlässig. Ebenso kann man Pulsmesser-Armbänder nutzen. Bei Unregelmäßigkeiten gilt auch hier: Ihren Arzt aufsuchen.

Natürlich kann jeder auch direkt am Handgelenk seinen Puls fühlen. Ein gleichmäßiges Pochen ist von unregelmäßigem oder sehr schnellem Schlagen zu unterscheiden. Bei einem Verdacht bitte zum Arzt gehen.

Den eigenen Puls messen: Eine einfache Methode, um Unregelmäßigkeiten im Herzschlag zu erkennen.

Wodurch kann Vorhofflimmern ausgelöst werden?

Da gibt es Gründe wie erhöhter Alkoholkonsum, zu viel Kaffee oder sehr opulente Mahlzeiten. Manchmal kommt auch alles zusammen, wie zum Beispiel nach einer Feier.

Auslöser können aber auch Schlafmangel oder emotionaler Stress sein.

Gibt es Menschen, die grundsätzlich gefährdeter sind als andere, ein Vorhofflimmern zu entwickeln?

Ja, wenn zum Beispiel schon bestimmte Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen. Natürlich sind auch die Patienten gefährdet, die schon eine Herzerkrankung haben, wie zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit, Erkrankungen der Herzklappen oder eine Herzschwäche. Doch auch stark übergewichtige Menschen haben ein erhöhtes Risiko ein Vorhofflimmern zu entwickeln.

Wie kann man Schlaganfällen bedingt durch nicht herzklappenbedingtem Vorhofflimmern vorbeugen?

Patienten bekommen neben Maßnahmen zur Normalisierung des Herzrhythmus, häufig auch Gerinnungshemmer verordnet. Bekannt sind vor allem Vitamin-K-Antagonisten (VKA). Doch mittlerweile sind bei den meisten Fällen von Vorhofflimmern die sogenannten NOAK (nicht Vitamin-K abhängige orale Antikoagulantien) gut einsetzbar. Vorteil: Die Patienten müssen nicht ständig ihre Gerinnungswerte selbst kontrollieren oder kontrollieren lassen. Ein weiterer Vorteil: Das Risiko für eine Hirnblutung ist geringer als bei VKA!

Dennoch gibt es Fälle, bei denen man um VKA nicht herumkommt. Zum Beispiel, wenn Patienten einen mechanischen Herzklappenersatz oder ein Herzunterstützungssystem bei Herzschwäche bekommen haben.

Vielen Dank, lieber Herr Prof. Dürschmied, dass Sie auf „Dem roten Sofa“ Platz genommen und uns Ratschläge zum Thema Vorhofflimmern und Schlaganfall gegeben haben!

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