Schlaganfall
Erstellt am 26.10.2018

Verbesserungspotential für Schlaganfall-Nachsorge in Deutschland

Betroffene brauchen Begleitung, Anleitung und Motivation für die Zeit nach der Rehabilitationsphase

Die Notfallversorgung bei einem Schlaganfall ist in Deutschland so gut, wie in kaum einem anderen Land. Auch die Rehabilitation entlässt die Patienten meist gut vorbereitet auf die neue Alltagssituation. Und was dann? In der Nachsorge gibt es Probleme: Aufgrund langer Therapiepausen nach der Rehaklinik können erste Erfolge der Patienten wieder verloren gehen.1 Betroffene werden mit der Organisation der weiteren Behandlung oft allein gelassen. Zudem brauchen Schlaganfallpatienten Beratung, Anleitung und stetige Motivation, um langfristig an den verordneten Medikamenten und einem gesunden Lebenswandel festzuhalten. Anderfalls droht ein Rückfall in Form eines zweiten, meist schwereren Schlaganfalls. Zudem schätzen Ärzte, dass rund ein Drittel der Patienten nach einem Schlaganfall eine Depression entwickeln, die häufig unerkannt bleibt.2 Genau hier setzt ein neuartiges Projekt an: Das System der Schlaganfall-Lotsen.

Schlaganfall-Lotsen: Konkrete Hilfe an den Schnittstellen

Die Schlaganfall-Lotsen sind in der Behandlung von Schlaganfallpatienten erfahrene Fachkräfte. Häufig kommen sie aus pflegerischen Berufen oder aus der medizinischen Assistenz und haben eine Weiterbildung im sogenannten Case Management (Fall-Begleitung). Sie nehmen bereits in der Stroke-Unit (engl.: Schlaganfall-Station) mit den Patienten Kontakt auf und nehmen sie unter bestimmten Kriterien in ein Betreuungsprogramm auf. Sie halten während der Rehaphase Kontakt zum Patienten und besuchen ihn anschließend zu Hause. Sie koordinieren weiterhin die Nachsorgetherapien verschiedener Dienstleister und informieren und beraten Betroffene und Angehörige.

Pilotprojekt STROKE OWL – Neue Wege nach dem Schlaganfall

Team der Schlaganfall-Lotsen des Pilotprojektes „STROKE OWL“

Vom 1. Oktober 2017 an läuft das Projekt STROKE OWL (Sektorenübergreifend organisiertes Versorgungsmanagement komplexer chronischer Erkrankungen am Beispiel Schlaganfall durch Schlaganfall-Lotsen in der Pilotregion Ostwestfalen-Lippe). Hinter diesem sperrigen Titel verbirgt sich das von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe geleitete und vom Innovationsfonds des Bundes finanziell geförderte Projekt der Schlaganfall-Lotsen. Bis zum 30. September 2020 sollen 17 Lotsen bis zu 2000 Patienten betreuen. Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld begleitet das Projekt wissenschaftlich und wertet neben medizinischen Daten auch solche zur Lebensqualität und zur selbstbestimmten Lebensführung aus. Grundlage ist die These, dass es in der Modellregion Ostwestfalen-Lippe aufgrund des Schlaganfall-Lotsen-Systems zu weniger Rezidiven kommt. Eine Übernahme der Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen wird angestrebt.

Weitere Informationen zum Thema Leben nach einem Schlaganfall-Ereignis, sowie wertvolle Tipps für den Alltag finden Sie in der Broschüre „Spielmacher fürs Leben – leichter mit der Krankheit umgehen.“

Sie kann kostenfrei bestellt werden über:

Per E-Mail: info@rote-karte-dem-schlaganfall.de

Per Post: Rote Karte dem Schlaganfall/ Bayer

Postfach 10 03 61

47703 Krefeld


1 Online-Umfrage der Schlaganfall-Hilfe 2013: Mehr als ein Drittel der Patienten hatte 14 Tage nach Entlassung aus der stationären Reha noch keine Verordnung für weitere Therapien

2 Die Inzidenz von 1/3 aller Schlaganfall-Patienten mit einer Post Stroke Depression wird in der wissenschaftlichen Literatur am häufigsten genannt. Praktiker gehen davon aus, dass die PSD mindestens 1/3 der Patienten trifft. Informationsbroschüre zum Projekt „Stroke OWL“, Stand September 2018

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