Vorhofflimmern: Jeder fünfte Schlaganfall ist darauf zurückzuführen

Vorhofflimmern - jeder fünfte Schlaganfall ist darauf zurückzuführen

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung: Rund 1,8 Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Die Erkrankung selbst ist nicht tödlich. Jedoch kann sie unbehandelt einen Schlaganfall verursachen. Insgesamt sind 20 Prozent der Schlaganfälle auf Vorhofflimmern zurückzuführen.

Bei der Diagnose „nicht valvuläres Vorhofflimmern“ muss man jedoch nicht gleich in Panik verfallen, denn das Schlaganfallrisiko lässt sich beispielsweise durch blutgerinnungshemmende Medikamente reduzieren. Mit „nicht valvulärem Vorhofflimmern“ ist ein Vorhofflimmern gemeint, das nicht auf eine Fehlfunktion der Herzklappen zurückzuführen ist.

Vom Vorhofflimmern zum Schlaganfall – die Hintergründe

Doch wie kommt es in Folge von Vorhofflimmern zum Schlaganfall? Ein gesundes Herz schlägt etwa 60 bis 100 Mal pro Minute.  Beim Vorhofflimmern ziehen sich die Vorhöfe jedoch 350 bis 600 Mal in der Minute zusammen, weil die Funktion des Sinusknotens gestört ist.  Das Blut wird aus diesem Grund nicht mehr „mit aller Kraft“ durch den Herzmuskel gepumpt. Die niedrige Fließgeschwindigkeit steigert das Risiko, dass sich Blutplättchen absetzen und zu einem Gerinnsel verkleben. Insbesondere in der kleinen Nische im linken Vorhof, dem sogenannten Vorhofohr, ist eine Gerinnselbildung sehr wahrscheinlich.

Im Anschluss an die Vorhofflimmerepisode setzt der normale Herzschlag wieder ein, die Vorhöfe ziehen sich kräftig zusammen und pumpen das Blut erneut durch den Körper. Wenn sich in dieser Zeit ein Gerinnsel gebildet hat, kann es durch die Stärke der Fließgeschwindigkeit mit fortgespült werden und in die Blutbahn gelangen. Das Gerinnsel kann so das Gehirn erreichen und dort ein Blutgefäß verstopfen: So kommt es zum Schlaganfall.

Risikofaktoren von Vorhofflimmern

Einer der Hauptrisikofaktoren für die Erkrankung Vorhofflimmern ist das Alter. Lediglich 1,5 Prozent der Betroffenen sind unter 65 Jahre. Mehr als 10 Prozent der Betroffenen sind bereits über 75 Jahre. Neben dem Alter können auch gewisse Vorerkrankungen Vorhofflimmern begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Bluthochdruck
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Sick-Sinus-Syndrom

Darüber hinaus können verschiedene Lebensstileinstellungen das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel sehr starkes Übergewicht, häufiger und starker Alkoholkonsum, sowie Leistungssport.

Vorhofflimmern erkennen

Vorhofflimmern - unregelmäßiger Puls kann ein Hinweis sein

Nicht immer können Betroffene das Vorhofflimmern selbst wahrnehmen. Das liegt vor allem daran, dass bei etwa 15 bis 30 Prozent der Betroffenen keine spürbaren Symptome auftreten. Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, bleibt jedoch gleich.
Schon ein unregelmäßiger Puls kann auf Vorhofflimmern hindeuten. Wer sich selbst nicht zutraut, seinen Puls zu kontrollieren, kann seinen Arzt um Hilfe bitten. Es wird empfohlen, eine routinemäßige Überprüfung durch den Arzt mittels Pulstastung und EKG (Elektrokardiogramm) bei Personen über 65 Jahren durchzuführen. So kann die Erkrankung entdeckt und beispielsweise mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Dadurch kann das Schlaganfall-Risiko deutlich gesenkt werden.
Diese Warnzeichen können außerdem auf die Erkrankung hinweisen:

  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Schwächegefühl
  • Müdigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Angstgefühle
  • Unruhe
  • Schmerzen in der Brust

Vorhofflimmern tritt nicht bei allen Betroffenen permanent auf. Das „Flimmern“ der Vorhöfe kann demnach auch nur zeitweise vorkommen. Aus diesem Grund kann die Erkrankung häufig erst durch einen langen Beobachtungszeitraum – etwa mit einem Langzeit-EKG – festgestellt werden. Jedoch ist auch diese Methode kein Erfolgsgarant.

In diesen Fällen kann ein Eventrekorder die Lösung sein. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, das der Betroffene bei sich trägt. Sollten irgendwelche Beschwerden auftreten, kann der Eventrekorder an die Brust gehalten werden, um die Herztöne zu dokumentieren. Die Aufzeichnungen werden automatisch an den behandelnden Arzt übermittelt.

Vorhofflimmern – So senken Sie Ihr Schlaganfall-Risiko

Vorhofflimmern - Schlaganfallrisiko senken

Nach der Diagnose Vorhofflimmern ist es besonders wichtig zu gewährleisten, dass das Blut während der Flimmerepisode nicht zu einem Gerinnsel verklumpt. Mit gerinnungshemmenden Medikamenten ist das möglich. Sollten bei den Betroffenen weitere Erkrankungen vorliegen, die das Schlaganfall-Risiko erhöhen, kann das Risiko durch deren Behandlung weiter gesenkt werden.

Für Vorhofflimmer-Patienten ist die Therapietreue ein besonders wichtiges Thema. Wer akute Beschwerden oder Schmerzen hat, vergisst die Einnahme seiner Medikamente in der Regel nicht. Wenn sich die Betroffenen jedoch gut fühlen, fällt es ihnen häufig schwer, an die Einnahme ihrer Medikamente zu denken. Allerdings sind die gerinnungshemmenden Medikamente nur bei regelmäßiger Einnahme wirksam.

Neben der Therapietreue kann auch ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung das Risiko für einen Schlaganfall senken.


1 Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft: http://www.dsg-info.de/presse/pressemeldungen/376-volkskrankheit-vorhofflimmern-studien-bestaetigen-schlaganfallschutz-durch-neue-gerinnungshemmer.html (letzter Zugriff: 20.02.2017)

2 Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

3 Kip et al., Weißbuch „Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern“, Thieme Verlag, 2015